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Neuseenclassics 2013
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Neuseenclassics 2013

Das erste Rennen der Saison stand am Pfingstsonntag auf dem Plan: Die Neuseenclassics 2013 in Zwenkau über 77km (140km sind für mich zu diesem Zeitpunkt einfach noch zuviel). Meine Anreise erfolgte am Renntag, somit startete mein Tag um 5 Uhr morgens. Nach einem kurzen Frühstück verlud ich Rad und den restlichen Krams im Auto und startete um 5.45h, um um 7.30h in Zwenkau anzukommen, genau 2 Stunden vorm Start. Damit bleib mir ausreichend Zeit, mir meine Startnummer abzuholen und mich ganz in Ruhe rennbereit zu machen. Beim Einrollen zum Startbereich traf ich auch gleich weitere Hallziger, mit denen ich erstmal zum Start der Langdistanzler fuhr und mich danach noch einrollte. Zusammen mit meinen Teamkollegen nahm ich dann Aufstellung in Startblock A. Irgendwie verging die Zeit zum Start schneller als gewohnt, (gefühlt) irgendwann ging es dann (pünktlich) los und nach wenigen Kilometern fiel mir leider auf, dass ich vergessen hatte, meine Heckkamera anzustellen, an die ich jetzt natürlich auch nicht mehr herankam.

Vielleicht hätte ich die Cam einstellen können, aber es ging vom Start weg gleich zur Sache. Das Fahrerfeld war – wie im Jedermannbereich üblich – viel zu groß. Profis beschweren sich über Felder mit 200 Startern, was sollen da Jedermänner bei doppelter Gruppenstärke und höchstens (im Schnitt) halber Radbeherrschung sagen? Wie immer führte die Strecke anfangs auf eine zweispurige (+Standstreifen) Schnellstraße, wo wir Geschwindigkeiten von 65km/h erreichten, gefolgt von einer entsprechend schmaleren Abfahrt, die (ebenso wie jedes Jahr) für erste Aufregung im Feld sorgte. Danach kam die obligatorische Ortsdurchfahrt von Markkleeberg mit den Straßenbahnschienen in der Straßenmitte (auch lustig) und der Umrundung des Sees. Neu war dieses Jahr, dass auf Grund zweier Jubiläen (10 Jahre NSC und 200 Jahre Völkerschlacht) die 77km-Strecke einen Abstecher in den Süden Leipzigs machte mit einer Schleife rund ums Völkerschlachtdenkmal. Diese Schleife sorgte für den nächsten Aufreger: Stadteinwärts bogen wir nach links auf eine in beide Richtungen zweispurige Straße ein, jedoch war nur eine Seite der Straße für das Rennen vorgesehen und nein, nicht für eine Fahrtrichtung, sondern auch wieder aus der Stadt heraus. Bereits unsere Gruppe wich teilweise auf die „Gegenfahrbahn“, die nur durch Baken abgetrennt war, aus und auf dem Rückweg kamen von vorne die erwarteten Rufe… „ACHTUNG…GEGENVEKEHR…WEG DA!“. Zum Glück verlief dieser Vor- ohne Unfall.

 

Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits am Ende des Feldes und versuchte einfach, dran zu bleiben. Jedoch hatte ichs chon die Befürchtung, dass irgendwo vor mir Löcher reißen könnten, zu häufig entstanden schon nach normalen Kurven kleine Lücken, die einigen viel abverlangten. Am Störmthaler See riss dann die erste große Lücke, die ich mit Mühe wieder zufuhr. Hinter der technisch anspruchsvollen Ausfahrt vom Seeweg dann wieder: Gleich mehrere Lücken entstanden vor mir, die ich zuerst mit einigen Mitstreitern, dann alleine versuchte, zu schließen. 5 Kilometer dauerte die Jagd. Mit letzter Kraft erreichte ich den Schwanz des Feldes in der Ortsdurchfahrt von Kömmitz, war da dann aber so ausgelaugt, dass ich das wieder anziehende Tempo doch nicht mehr mitgehen konnte. Mit gemischten Gefühlen ließ ich mich zu meinen Mitverfolgern zurückfallen, natürlich deprimiert, dass ich den Anschluss verpasst hatte, aber auch irgendwie froh, den Stress des großes Feldes nun hinter mir zu haben. Wir ließen noch ein paar Fahrer aufschließen, um dann in einer etwa elfköpfigen Gruppe die Verfolgung aufzunehmen.

Insgesamt funktionierte die Gruppe ganz gut, auch wenn der Versuch, einen Belgischen Kreisel aufzubauen, an wahrscheinlich mangelnder erfahrung darin scheiterte. Lange behielten wir das Führungsfeld noch im Blick und von hinten näherte sich auch nichts. Etwa 30 Kilometer hatten wir als Gruppe noch zurückzulegen und letztendlich verloren wir nur etwa 3 Minuten, was schon eine fast klischeehafte Zeit ist, denn wie hört man so häufig bei Profirennen bezüglich der Verfolgung von Ausreißer: Das feld macht 1 Minute auf 10km gut, hier waren wir halt die Abgehängten. Für die Zielankunft nahm ich mir vor, zu sprinten, da die Gruppe nicht so groß war, fühlte ich mich dabei wohler als in einem großen Feld, trotzdem leistete ich natürlich Führungsarbeit, denn letztendlich sollte am Ende ja nur die Zeit zählen, aus dem Top50, die nach Einlauf gewertet werden, waren wir natürlich raus. 200m vorm Ziel wurden wir auf einen vorherigen Sturz hingewiesen, danach sprintete ich los und kam zumindest als erster der Gruppe an, für das Zielfoto war es das wert. Mit etwa 41km/h im Schnitt war es immer noch ein schnelles Rennen für mich.

Im Ziel traf ich dann wieder auf Stefan aka El Stefano, der mir berichtete, dass Hagen aus unserem Team in den Massensturz beim Zielsprint gerissen wurde und möglicherweise schwerer verletzt sein könnte (Er kam zum Glück mit Fleischwunden und Prellungen davon). Mehr und mehr Hallziger trafen ein. Später auf der Festweise trafen wir dann auch nach und nach 140er, die von weiteren Sturzopfern berichteten. Zum Glück verliefen auch diese verhältnismäßig glimpflich. Eirig wurden die Rennberichte ausgetauscht und Bilder gemacht. Anschließend wurde dem Kinderhospiz „Bärenherz“, für das wir sammeln, noch ein Spendenscheck überreicht und nach dem Legendenrennen mit Fahrern wie Wesemann, Altig oder Ludwig machte ich mich wieder auf den Heimweg. Wie immer war es mal wieder super, mit meinen Teamkollegen zu sprechen und zusammen Rennen zu fahren. Passenderweise war es auch noch wettermäßig der sommerlichste Tag des Wochenendes. Hätte es die Sturzopfer nicht gegeben, wäre es ein rundum gelungener Tag gewesen.

Jens Ole • 22. Mai 2013


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